Chronik

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Chronik

111 Jahre Freiwillige Feuerwehr Pankow
 
1887-1998
 
 
Der Verein der Freiwilligen Feuerwehr in Pankow anno 1887
 
 
Der Adler, des Niederbarnims Zier war früher unser Wappentier
 
Chronik der Freiwilligen Feuerwehr in Pankow
 
Am 8. August des Jahres 1887 ertönte vom Kirchturm der Pankower Kirche die Sturmglocke und der Feuerschein am nächtlichen Himmel ließ auf einen gewaltigen Brand schließen. Auf dem Hause Schönholzer/Parkstraße, dem damals höchsten Gebäude Pankows stand der Dachstuhl in Flammen. Mit der alten Dorfspritze versuchten die von allen Seiten herbeieilenden Männer gegen das brennende Element anzukämpfen. Es bildete sich eine Kette von Männern in die sich nicht nur Einwohner, sondern auch Sommerfrischler in bunter Reihe einreihten um die Feuereimer von Hand zu Hand wandern zu lassen. Die primitiven Löschmittel reichten nicht hin um den Flammen Einhalt zu gebieten und es bestand die Gefahr dass das ganze Gebäude den Flammen zum Opfer viel, wenn nicht die Feuerwehren aus unseren Nachbarorten zu Hilfe geeilt wären. Dieser Dachstuhlbrand und die sich in den folgenden Wochen daran knüpfende öffentliche Diskussion war die Veranlassung, dass sich auch in Pankow eine Anzahl Männer zusammenfand die die Pflicht sich bei jedem Brandfalle zur Verfügung zu halten freiwillig auf sich nahmen. Sie gründeten am 1. November 1887 den Verein der freiwilligen Feuerwehr in Pankow. Das Feuerlöschwesen lag bis vor wenigen Jahren, über 4O Jahren also noch ausschließlich in den Händen dieser Freiwilligen Feuerwehr. Sie hat es verstanden, aus ihren Mitgliedern sich ihre Oberfeuerwehrmänner und Brandmeister zu bilden und sie hat bewiesen, dass sie auch den schwersten Brandfällen nicht ratlos gegenüberstand. Wie tief der Mangel einer schlagkräftigen Feuerwehr in allen Schichten der Bevölkerung empfunden wurde, geht besten aus der außerordentlich starken Beteiligung an der auf den 1.11.1887 von einem provisorisch zusammengesetzten Ausschuss einberufenen Versammlung hervor, deren Zweck es war. einen Verein der Freiwilligen Feuerwehr zu gründen. Gemeindevorsteher Friedrich Neumann übernahm in dieser Gründungsversammlung auf Wunsch des Bürgermeisters Adolf Koch, der sich in erster Linie für die Einberufung eingesetzt hatte, den Vorsitz. Der Erfolg blieb nicht aus: 51 Pankower erklärten sich zur Teilnahme an der Freiwilligen Feuerwehr bereit. 38 von ihnen traten dem neuen Verein als aktive, 13 als passive Mitglieder bei.
 
 
 
 
Am 14.04.1888 wurde zu Gunsten der Wehr ein Konzert mit anschließendem Ball veranstaltet, das einen Reinertrag von 216,89 Mark für die Kasse erbrachte. Der Kassenbestand erhöhte sich damit auf 1027.20 Mark. Für drei ausscheidende Vorstandsmitglieder wurden Anton Ringel, Karl Stemmler und Rölf gewählt. In der außerordentlichen Generalversammlung am 24.09.1888 wurde die Anschaffung einer neuen Omnibusspritze zum Preis von 1560 Mark und einer Schiebeleiter zum Preis von 560 Mark beschlossen. Das erste Jahr balancierte in Einnahmen und Ausgaben mit 3955,90 Mark bei einem Kassenstand von 1040,97 Mark. Es fehlten noch 733 Mark zur Bezahlung der neuen Omnibusspritze mit den dazugehörigen 60 Meter Gummischlauch, die aber schon bald bezahlt werden konnten. Oberführer Koch erfand eine Schlauchhaspel, durch die ein tadelloses abwickeln des Schlauches vom Wagen gewährleistet wurde, sowie einen Rettungsapperat. Beide Erfindungen wurden patentiert und erregten auf den damals oft stattfindenden Feuerwehr Verbandstagen die Aufmerksamkeit weitester Kreise und brachten ihm hohe Anerkennung ein. Am 28.02.1890 starb der erste Vorsitzende der Pankower Wehr Charles Frederic Gaillard. Sein Nachfolger wurde Anton Ringel und als dieser am 4.05.1916 gestorben war, wurde der Magistratsoberbaurat Alfred Geager zum I.Vorsitzenden gewählt. Er hatte diese Stellung seitdem ununterbrochen inne. Magistratsoberbaurat Alfred Gaeger, der das Tiefbauamt beim Bezirksamt Pankow leitete, hat sich im Laufe seiner Tätigkeit bei der Feuerwehr beträchtliche Verdienste um die Schlagkraft und Einsatzfähigkeit erworben. Während des Krieges mussten zwei Drittel der Wehr Dienst bei der Waffe leisten. Um einigermaßen aktionsbereit zu bleiben wurden durch eine Zeitungsanzeige die Schüler aufgefordert Hilfsdienst zu leisten. 20 Schüler meldeten sich auch wodurch die dringendsten Sorgen behoben wurden. Später wurden 15 Pioniere von der Militärverwaltung zur ständigen Besetzung der Wache abkommandiert und von dieser Zeit an konnte man in Pankow wieder ruhig schlafen. Seit der Bildung der Stadtgemeinde Groß Berlin hat die Pankower Wehr auch den übrigen Bezirksortschaften Hilfe zu leisten. Dadurch wurde die Beschaffung eines zweiten mobilen Fahrzeuges mit abprotzbarer Spritze erforderlich. Im dem Gesamtausrückplan der Groß Berliner Wehren wurde Pankow als Wache 45 eingegliedert.
 


Parkstraße/Schönholzer Straße, im rechten Haus auf dem Bild wurde die Gründung des Vereins der Freiwilligen Feuerwehr in Pankow durchgeführt.
 
Am 7.11.1887 fand eine zweite Versammlung statt. In ihr wurde ein Ausschuss eingesetzt der mit der Ausarbeitung der Statuen beauftragt wurde. Dem Ausschuss gehörten an Gemeindevorsteher Friedrich Neumann, Henri Gaillard, Adolf Koch, Hermann Tamm, Heinrich Hoffrichter, Christian Wanske und Gustav Christann. Adolf Koch wurde zum Oberführer der neuen Wehr, Hermann Tamm zum Requisitenmeister gewählt. An der ersten Übungsstunde am 14.11.1887, die durch den Oberführer Koch abgehalten wurde, beteiligten sich 33 Mitglieder. Die erste außerordentliche Generalversammlung fand am 30.11. unter dem Vorsitz von Charles Frederic Gaillard statt. Dieser gab unter anderem einen Beschluss der Gemeindeversammlung bekannt nach dem 2000 Mark zur Anschaffung von Feuerlöschgeräten und anderen Utensilien bewilligt würde, unter dem Vorbehalt das ein fertig ausgearbeitetes Statut vorgelegt würde. Das Verlesen der Anwesenheitsliste ergab übrigens, ein weiteres Zeichen für das rege Interesse, das sämtliche aktiven Mitglieder zur Stelle waren.

Das vom Ausschuss verfasste Statut wurde in dieser Versammlung vorgelegt und mit einigen Änderungen angenommen. Die Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis:
Vorsitzender: Charles Frederic Gaillard
Rendant: Heinrich Hofrichter
Schriftführer: Gustav Scholz
Beisitzer: M.Schäfer, Adolf Koch, Hermann Tamm, Maurerpolier Schulze, Henri Gaillard, Gustav Christmann, Christan Wansse, Sattlermeister Schnulze

Als erste Kasseneinlage stiftete Charles Frederic Gaillard 20 Mark. In einer Vorstandssitzung am 1.12. wurde beschlossen, sämtliche aktiven Mitglieder mit 2000 Mark für den Todesfall und mit 3000 Mark für den Fall der Invalidität zu versichern. Geschäftsordnung und Instruktionen wurden in einer Generalversammlung vom 29.12.1887 festgelegt. Als Kassenprüfer wurde Rendant Friedrich Wikke und Dekorateur Hermann Vieth gewählt. Oberführer Koch vereidigte die aktiven Mitglieder durch Handschlag. Ferner wurde ein aus 9 Mitgliedern bestehendes Ehrengericht gebildet. In der Vorstandssitzung vom 15.01.1888 fand die Ernennung der Führer statt. Zum Steigerkorps wurde Zimmermeister Hermann Ernst erster und Maurer Otto Wanske zweiter Führer, beim Spritzenzug wurde Hermann Zieth erster und der bei Gebrüder Wienicke tätige hier zweiter Führer. Beim Wasserzug wurde Henri Gaillard erster Gustav Schulze zweiter Führer. Am 1.2.1888 konnte in einem festlichen Akt bei Fackelschein die ganze Wehr dem Gemeindevorsteher Neumann in voller Ausrüstung vorgeführt werden. Neumann benutzte die Gelegenheit, den Dank der Gemeinde zum Ausdruck zu bringen und alle ihr gehörenden Löschgerätschaften dem Requisiten – und Spritzenmeister zu übergeben. Diese abendliche Feier war für Pankow natürlich ein großes Ereignis. Eine große Zahl von Gästen, unter ihnen Amtsvorsteher Schwartze und die Gemeindevertretung waren erschienen und wurden Zeuge des für Pankow so wichtigen Schrittes. Der Verein der Freiwilligen Feuerwehr in Pankow übernahm mit diesem Tage alle einer Feuerwehr zufallenden gesetzlichen Pflichten für Pankow und Umgebung. In den Nachkriegsjahren wurde das Gebäude in der Grunowstrasse das dem Verein der Freiwilligen Feuerwehr in Pankow im Jahre 1893 seitens der Gemeinde Pankow beschaffen wurde, das Domizil der Berufsfeuerwehr Pankow. Die Freiwillige Feuerwehr in Pankow hatte es in der damaligen Zeit nicht leicht. Sie bekam eine eigene Feuerwache in der Florastrasse, die aus ungeklärter Ursache abbrannte. Laut Kenntnissen erhielt die Freiwillige Feuerwehr Pankow danach im Wechsel verschiedene Räumlichkeiten im Stadtbezirk Pankow zur Verfügung. Zeitweise teilten sie sich die Räume mit den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Niederschönhausen in der Blankenburger Strasse. Im Jahre 1979 stellte der Rat des Stadtbezirks der Freiwilligen Feuerwehr Pankow in dem Wohnhaus Schönholzer/Parkstrasse einige Räume zur Verfügung die sie bis zum Jahre 1987 nutzten.
 


Foto oben: Die Freiwillige Feuerwehr Pankow im Jahre 1987 vor dem Rathaus Pankow. Links unten die damalige Wehrführerin Erdmute Holländer.
 
In den Jahren von 1979-1987 stand das Löschfahrzeug meist bei der Freiwilligen Feuerwehr Niederschönhausen da die eigene Wehr keine Unterstellmöglichkeiten hatte. Die Freiwillige Feuerwehr Pankow bekam endlich im Jahre 1987 zur 100 Jahrfeier ihres Bestehens eine eigene Feuerwache im Stiftsweg 1a vom Rat der Stadt Pankow überreicht.
 


Foto oben: Diese Aufnahme von 1903 ermöglicht den Blick von der Breiten Strasse in die Damerowstrasse. Die Strasse war früher die Verbindung nach Heinersdorf.
 
Der Stiftsweg: Der Stiftsweg war bis zum Jahre 1895 ein ausgesprochener für Fuhrwerke gesperrter Landweg der lediglich einen verkrüppelten begleiten Fußweg aufwies. Die Strasse bekam ihren Namen vom Pestalozzistift zu dessen ehemaliger Knabenerziehungsanstallt (heutige GesoBau) sie führte. Die Alarmierung der Wehr geschah in den ersten Jahren ihres Bestehens durch die Sturmglocke der Kirche, später durch Hornsignale der Feuermeldestellen dann durch Dampfpfeifen auf der Schultheiß Mälzerei und auf dem Kanalpumpwerk schließlich durch die elektrische Sirene auf dem Rathausturm. Eine Reihe von Feuermeldestellen dienten fernerhin der Sicherheit der Einwohnerschaft Pankows. Weiterhin waren alle Feuerwehrmänner telefonisch zu erreichen. Von Jahre 1891 verpflichtete die Feuerwehr die Groß Berliner Pferdebahngesellschaft die für das Ausrücken erforderlichen Pferde bei jedem Alarm pünktlich zur Verfügung zu stellen hatten. Ein wichtiger Moment in der Geschichte der Feuerwehr war die Einrichtung der Ortswasserversorgung im Jahre 1983 da durch die Anlegung der Straßenhydranten nunmehr die Mitführung von Wasserwagen bei Alarmen überflüssig wurde. Die Feuerwehr hatte bis zum Jahre 1893 in dem recht primitiven Spritzenhaus auf dem Dorf Anger hinter der Schule Breite Strasse 37 gehaust.
 


Foto oben: Vom Rathausturm aus wurde diese Ansicht des Pankower Angers zwischen 1902 und 1906 fotografiert. In der Bildmitte befindet sich im Hintergrund die Pankower Kirche. Im Vordergrund ist das Pfulhaus zu erkennen. Es wurde nach dem Dorfpfuhl so benannt der sich ursprünglich dort befunden hat aber schon 1870 zugeschüttet worden war.
 
So war das Jahr 1893 insofern bedeutungsvoll, als ihr das für die damaligen Verhältnisse „mit allem Komfort“ ausgestattete Spritzenhaus in der Schulstraße seitens der Gemeinde geschaffen wurde.
 


das damalige Pankower Wappen
 


Festumzug der Freiwilligen Feuerwehr Pankow zur 100.Jahrfeier im Jahre 1987
 


Foto oben: Der Rohbau der freiwilligen Feuerwehr Pankow im Frühjahre 1987 im Stiftsweg 1a.
 

Foto oben: Das Wachgebäude mit Wohnhaus der freiwilligen Feuerwehr Pankow im Jahre 1994.




Foto oben: Vom Rathaussturm aus wurde diese Ansicht des Pankower Anger im Jahre 1998 fotografiert.





Foto oben: Die damalige Wehrführung von links: Manfred Neumann, Erdmute Holländer, Klaus Holländer, Berndt Schöpfer und Dieter Schneider
 


Foto oben: Der Stolz der FF Pankow im Jahre 1980 ein LF 8 -TS 8
 
 
Die damaligen Wehrführer der freiwilligen Feuerwehr Pankow:

Erdmute Holländer von 1979 bis 1987
Dieter Schneider von 1988 bis 1991
Wolfgang Kramp von 1992 bis 1994
Jürgen Hausmann von 1994 bis 1995
Jürgen Pötzsch von 1996 bis 1998

Die heutigen Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr Pankow bestehen aus aktive:
H.
Eckardt, C.Ehrig, F.Elge, C.Grosser, M.Grothe, M.Haase, B.Heinz, S.Kalowsky, M.Keßner, N.Keßner, J.Leisterer, K.Lückert, F.Pietrowski, J.Pötzsch, M.Reimann, A.Riewestahl, N.Rohrig, U.Scheppan, N.Schmidt, S.Schulze, T.Slawik, Y.Stanicki, M.Troelenberg, C.Weiß, B.Wustrack, A.Zischke

Ehrenmitglieder sind:
Berndt Schöpfer, Ingrid Milkau sowie Gerda Schöpfer

Alle Angaben die hier geschrieben wurden, wurden aus verschiedenen Büchern zusammen getragen zum Beispiel aus:

„große Stadt aus kleinen Steinen“ vom Jahre 1936
„Vom Dorf zur Großstadt“ vom Jahre ca.1927
Aus „Der Pankower Chronik“
aus den Unterlagen der Freiwilligen Feuerwehr Pankow
Zusammengetragen von M. Jaeschke
Berlin-Pankow , den 22.09.1998
Überarbeitet von H. Eckardt
Berlin-Pankow , den 15.01.2006

Pankow



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